Sturm schwillt an | Shan Fan und Meng Huang

13.11.2026 bis 07.02.2027

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Wenn vertraute Ordnungen ins Wanken geraten.

Mit "Sturm schwillt an" bringt die Parabel. Zentrum für Kunst in Hamburg zwei Künstler zusammen, deren Werke um ein gemeinsames Motiv kreisen: den Wind. Kuratiert wird die Ausstellung von Shan Fan, Künstler und wissenschaftlicher Leiter für Asiatische Kunst an der Parabel.

Unsichtbar und doch von großer Kraft wird der Wind zum Sinnbild einer Gegenwart, in der vieles, was lange sicher und beständig schien, in Bewegung geraten ist.

Im Zentrum der Ausstellung steht eine monumentale Installation von Shan Fan. Aus 9.999 getrockneten, mit schwarzer Tusche eingefärbten Bambusblättern erhebt sich ein rund acht Meter hoher Wirbelsturm. Eine mächtige, beinahe bedrohliche Erscheinung - und zugleich von großer Leichtigkeit und Fragilität.

Der Bambus begleitet Shan Fans künstlerisches Werk seit Jahrzehnten. Für ihn ist er weit mehr als ein Motiv. Er steht für Herkunft und kulturelle Erinnerung, für geistige Unabhängigkeit und humanistische Tradition. Shan Fan beschreibt ihn als eine Art "seelische Heimat". Im Wirbelsturm verliert diese vertraute Ordnung ihren Halt: Die einzelnen Blätter werden fortgetragen, auseinandergerissen, entwurzelt.

Auch in seinen schwarz-weißen Gemälden beschäftigt sich Shan Fan mit diesem Moment des Übergangs. Bambusblüten und verwehte Samen markieren das Ende eines Lebenszyklus und tragen zugleich die Möglichkeit eines neuen Anfangs in sich. Schönheit und Vergänglichkeit, Zerbrechlichkeit und Hoffnung liegen hier nah beieinander.

Meng Huang nähert sich dem Thema aus einer anderen Richtung. In seinen schwarz-weißen Wasser- und Landschaftsbildern wird Wasser zur elementaren Kraft. Ausgangspunkt sind unter anderem seine Beobachtungen am Xiaolangdi-Stausee am Gelben Fluss. Sedimentreiche Wassermassen bilden Strukturen, die wie Gebirgszüge erscheinen und an die traditionelle chinesische Shan-Shui-Malerei erinnern. Wasser wird zu Landschaft, Landschaft löst sich wieder auf.

Zwischen den Arbeiten von Shan Fan und Meng Huang entsteht ein Dialog, der weit über die Darstellung von Naturkräften hinausgeht. "Sturm schwillt an" erzählt von einer Welt im Wandel, von Entwurzelung und Heimatlosigkeit und von politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Ordnungen, die ihre vermeintliche Selbstverständlichkeit verlieren.

Und von der offenen Frage, was entstehen kann, wenn das Vertraute nicht mehr trägt.