Über uns
Ziele
Mit der „PARABEL“ entsteht ein Ort, der sich komplett dem Würdigen, Anerkennen und Sichtbarmachen von Hamburger Kunst verschreibt. Mittels interdisziplinärer Ansätze wird die Einrichtung regionale Künstlerinnen und Künstler und ihre Werke, aus denen sich die vielseitige Kunstgeschichte der Stadt zusammensetzt, aus multiplen Perspektiven betrachten, untersuchen und präsentieren. Als Ausstellungshaus soll die „PARABEL“ nicht nur eine museale Bühne für Kunst bieten, sondern aktiv an der Forschung über sie teilnehmen, sie ins kollektive Bewusstsein rücken und dynamisch unterstützen. Sie will physischer und institutioneller Raum für museumspädagogische und wissenschaftliche Arbeit sein – als Ausstellungsfläche, Forschungsstelle und Veranstaltungsort für zum Beispiel Fachvorträge, Symposien oder Buchpräsentationen.
Die Notwendigkeit eines solchen Ortes ergibt sich vor allem aus der Tatsache, dass in Hamburg keine Institution existiert, welche sich ausschließlich mit stadteigener Kunst auseinandersetzt. Während andere deutsche Städte wie Berlin, München, Frankfurt, Nürnberg, Stuttgart und Kiel regionaler Kunst gewidmete Einrichtungen aufweisen und pflegen, besteht in der Hamburger Ausstellungslandschaft in dieser Hinsicht nach wie vor ein Defizit. Die „PARABEL“ sieht es als ihre Aufgabe, diese Lücke zu füllen.
Wesentliche Grundlage für dieses Vorhaben und kunsthistorische Basis der Arbeit der „PARABEL“ ist die mehr als 3.500 Werke umfassende Stiftung Kunstsammlung Dr. Maike Bruhns. Die Inhalte der Sammlung bieten den Grundstock für Ausstellungen, welche bisher unterrepräsentierte Gebiete der Hamburger Kunstgeschichte beleuchten – etwa die Avantgarde und Moderne, Exilkunst, Arbeiten jüdischer Künstlerinnen und Künstler, Werke von Anhängern linker Parteien in der Weimarer Republik, Außenseiter- oder Boheme-Kunst.
Dabei wird die „PARABEL“ sich in einen offenen Dialog mit anderen Institutionen der Hamburger Kunst- und Kulturszene einbringen. Mit Kooperation und Zusammenarbeit, dem Austausch von Impulsen, Ideen und Werken, wird die „PARABEL“ als aktive Teilnehmerin in der stadtweiten Forschung über die eigene Kunstgeschichte partizipieren und produktiv dazu beitragen. Auch die zukünftige Forschungsstelle der Einrichtung soll dafür einen geeigneten Raum bieten.
In der Hamburger Kulturlandschaft der Zukunft wird die „PARABEL“ ein Ort sein, der durch seine spezialisierte Ausrichtung und engagierte Forschungs- und Vermittlungsarbeit einen vertieften Blick auf Hamburger Kunst und Kunstschaffende ermöglicht und diese somit nachhaltig ins öffentliche Bewusstsein rückt.
Stiftung
Die Stiftung Kunstsammlung Dr. Maike Bruhns ist das Ergebnis einer über Jahrzehnte leidenschaftlich betriebenen Sammlungstätigkeit der namensgebenden Hamburger Kunsthistorikerin, Autorin und Kuratorin. Maike Bruhns, deren Interesse an regionaler Hamburger Kunst im Rahmen der Recherchen für ihre Promotionsarbeit geweckt wurde, begann bereits in den 1980er Jahren mit dem Aufkaufen von Werken, die sie bei einschlägigen Sammlern in teilweise prekären Zuständen vorfand – vergessen unter Betten, in Schränken oder Kellern.
Mit der Zeit entwickelte die Historikerin Schwerpunkte und fing an, aktiv nach Ergänzungen für die wachsende Sammlung zu suchen. Maike Bruhns legte besonderen Wert auf Kunstwerke über die Zeit- und Sozialgeschichte Hamburgs vom Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart und konzentrierte sich daneben auf lokale Eigen- und Besonderheiten. Von Bedeutsamkeit waren für sie etwa Werke aus der Phase der ästhetischen Positionsbestimmungen nach 1945, wie Abstraktion, Figuration, neue Stilrichtungen und grafische Perioden.
Ein besonderer Fokus galt stets – in Anlehnung an Maike Bruhns‘ Grundlagenforschung auf dem Gebiet - der Zeit des Dritten Reiches und ihrer Auswirkung auf die Hamburger Kunst: Produkte der politischen Diskriminierung, Verfolgung, des Kriegsschreckens und des Exils.
Heute umfasst die Sammlung mehr als 3.500 Werke und deckt ein breites thematisches Feld ab – von „typisch“ anmutender Kunst der Hansestadt, mit Motiven des Hafens und Rotlichtviertels, bis zu eher „randständigen“ Arbeiten, die heute zu Unrecht größtenteils vergessen und unterschätzt sind.
Die Arbeiten in der Sammlung stammen aus unterschiedlichsten Quellen: Maike Bruhns besuchte Auktionen und sichtete Nachlässe, übernahm ganze Sammlungen, ließ sich für Aufträge von Künstlerinnen und Künstlern mit Werken bezahlen oder kaufte befreundeten Kunstschaffenden Arbeiten ab, um sie zu unterstützen. Auslandsreisen - etwa nach London, Paris, Lissabon, Buenos Aires oder São Paulo - verband die Forscherin gezielt mit Besuchen bei Hamburger Emigrantinnen und Emigranten, um in ihrem Besitz befindliche Werke zu erwerben. Auch heute sieht die Kunsthistorikerin ihre Arbeit als noch nicht abgeschlossen und führt ihre Suche, beispielsweise nach Werken von nach 1945 geborenen Künstlerinnen und Künstlern, weiterhin aktiv fort.
Die Sammlung wurde 2022 in die Stiftung Kunstsammlung Dr. Maike Bruhns überführt und besitzt heute, aufgrund ihrer thematischen Breite und qualitativen Tiefe, in der Hamburger Kunst- und Kulturlandschaft ein Alleinstellungsmerkmal.
Die „PARABEL“ bietet den Ort, an dem die Werke der Sammlung auch in Zukunft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden – mit dem Ziel, einen wichtigen Beitrag für ein breiteres Bewusstsein in der Stadt über die eigene Kunstgeschichte zu leisten.
Geschichte des Ortes
Die „PARABEL“ ist untrennbar mit den Räumen der vormaligen Nikodemus-Kirche verbunden. Als Gestaltungsraum und gleichzeitigem Einrichtungssitz stellt das Gebäudeensemble keine bloße Kulisse für die Inhalte der stiftungseigenen Kunstsammlung dar, sondern ist vielmehr ein wesentlicher Teil ihres Charakters. Ohne die einzigartige Form seines Zentrums wäre das Ausstellunghaus nicht, bekennend eponym, die „PARABEL“.
Durch ihre Lage an der Fuhlsbütteler Straße ist die „PARABEL“ ideal positioniert, um einen lokalen Beitrag zur kulturellen Landschaft Ohlsdorfs zu leisten. Besonders bedeutsam ist die enge Nachbarschaft zum Jüdischen Friedhof. Für die Stiftungsgründerin Dr. Maike Bruhns, deren extensive Kunstsammlung den materiellen Grundstock für das Ausstellungshaus bildet, war die Forschung über verfolgte jüdische Künstlerinnen und Künstler im Dritten Reich ein erklärter Schwerpunkt ihrer wissenschaftlichen Arbeit – ihre Promotion schrieb sie 1986 über die jüdische Künstlerin und Hamburgerin Anita Rée.
Die ehemalige Nikodemus-Kirche bietet der „PARABEL“ einen individuellen und außergewöhnlichen Präsentationsraum. Das Gebäudeensemble besteht insgesamt aus dem 1953 in Betrieb genommenen Gemeindehaus (inklusive Behelfskirche im Obergeschoss), das 1959 von dem Architekten Henry Schlote durch die eigentliche Kirche ergänzt wurde. Unter Einschluss eines verbindenden Querbaues, in dem eine Kindertagesstätte untergebracht ist, wird der Komplex von einem zentralen Vorplatz abgeschlossen.
Architektonisch fügt sich die ehemalige Nikodemus-Kirche in eine Reihe von rechteckigen Backsteinkirchen ein, die im Verlauf der 1950er Jahre errichtet wurden – auch wenn die Ohlsdorfer Kirche, mit ihrer späten Einweihung 1959, vergleichsweise zu den älteren Exemplaren dieser Gattung gezählt werden kann. Ein Alleinstellungsmerkmal weist das Bauwerk eindeutig in der Gestalt seines Kirchenschiffes auf, das anfangs nicht unumstritten war: technisch als „Spitztonne mit gerundetem Scheitel“ beschrieben, erinnerte die Form Zeitgenossen unverkennbar an die mathematische Kurve einer Parabel.
Die Ohlsdorfer Kirchgemeinde, die in der Kirche seit deren Errichtung ihren Sitz hatte, wurde in den späten 2010er Jahren mit der Fuhlsbütteler St. Marien-Gemeinde zusammengeschlossen und verfügte nach der Fusion über zwei Kirchen mit zugehörigen Gemeindehäusern. Am Pfingstsonntag 2022, nach einem entsprechenden Beschluss der Kirchengemeinde Ohlsdorf-Fuhlsbüttel, wurde die Nikodemus-Kirche feierlich entwidmet und für eine nicht-sakrale Nutzung freigegeben.
Die Projektentwicklung für den Umbau der Kirche wurde von der Grundstücksgesellschaft Elbe mbH umgesetzt. Für die Umwandlung des ehemaligen Gotteshauses in eine Ausstellungsfläche waren verschiedene Umbaumaßnahmen vonnöten, die zwischen 2022 und 2024 realisiert wurden. Mit den baulichen Schritten, die mit angemessener Rücksichtnahme auf den bestehenden Denkmalschutz des Gebäudeensembles und seiner sakralen Vergangenheit durchgeführt wurden, konnten in der ehemaligen Kirche zwei Präsentationsebenen eingerichtet werden – der großzügige Hauptraum, der von der ausladenden Form des ehemaligen Kirchenschiffs profitiert, sowie die angebundene, schmaler gefasste „Empore“.
Mit Blick auf die Zukunft sollen der einstigen Kirche graduell weitere Ausstellungsräume hinzugefügt werden. Im ehemaligen Gemeindehaus, das zu diesem Zeitpunkt bereits die wachsende Fachbibliothek der „Parabel“ beherbergt, werden in den kommenden Jahren auch die hauseigene Forschungsstelle sowie weitere Präsentationsflächen entstehen.
Forschungsstelle
Das im Umbau befindliche Gemeindehaus der ehemaligen Nikodemus-Kirche soll zukünftig die Forschungsstelle „Kunst der Moderne in Hamburg“ beherbergen. Im Einklang mit dem thematischen Schwerpunkt der „PARABEL“ und ihres materiellen Fundaments, der Stiftung Kunstsammlung Dr. Maike Bruhns, wird auch der Hauptfokus der Forschungsstelle auf der jüngeren und jüngsten Kunstgeschichte Hamburgs liegen.
In Ergänzung zu den Ausstellungsräumen der „PARABEL“ soll mit dem hauseigenen wissenschaftlichen Standort ein aktiver Beitrag zum übergeordneten Kernanliegen der Einrichtung geliefert werden. Während im Gebäude der ehemaligen Kirche Hamburger Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts präsentiert wird, soll sie in den Räumen der Forschungsstelle untersucht, neu beleuchtet und kunsthistorisch aufgearbeitet werden. Dabei wird Wert auf Kontinuität und Permanenz gelegt – die Stätte soll ständig und nicht projektbasiert betrieben werden.
Mögliche Themen, mit denen sich die Forschungsstelle in Zukunft beschäftigen wird, umfassen beispielsweise die dringend erforderliche Erweiterung und Ergänzung des vergriffenen Bands Der Neue Rump II - Lexikon der bildenden Künstler Hamburgs (2. Aufl. 2013), die Geschichte der Kunst in Hamburg und wichtige Hamburger Künstlervereinigungen nach 1945, Ateliers, Künstlerhäuser und Galerien der Stadt in Vergangenheit und Gegenwart, die Vermittlung von Kunst und Zeitungskritik.
Im Bezug auf ihre Ressourcen profitiert die Forschungsstelle sowohl von der wissenschaftlichen Leitung durch die renommierte Kunsthistorikerin Dr. Maike Bruhns als auch durch eine fachspezifische Bibliothek, die in den Kellerräumen des Gemeindehauses entsteht. Langfristig soll sie über den bereits bestehenden Grundbestand erweitert, allen universitären Einrichtungen und Museen zu Verfügung gestellt und als Präsenzbibliothek der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Team
Unterstützung
Um ihre Arbeit realisieren zu können, ist die „PARABEL“ auf Unterstützung von kunst- und kulturinteressierten Privatpersonen und Einrichtungen angewiesen. Der Verein „Freunde der PARABEL“ fördert gezielt Vorhaben und Initiativen, die etwa den Ankauf sammlungsrelevanter Werke oder Forschungsprojekte ermöglichen. Ob mit einem regelmäßigen oder einmaligen Beitrag – wir freuen uns über Ihr Engagement.