Am 30. Januar war der Kunsthistoriker und Kurator Hubertus Gaßner in der PARABEL zu Gast. Sein Vortrag widmete sich der Nacht als Bild-, Denk- und Erfahrungsraum – und der Frage, was die Darstellung der Nacht in der Malerei heute noch leisten kann.
Ausgehend von der kunsthistorischen Tradition spannte Gaßner einen weiten Bogen von frühen allegorischen Darstellungen bis in die Gegenwart. Dabei wurde schnell deutlich: Die Nacht ist mehr als ein bloßer Gegenpol zum Tag. Sie ist ein Raum des Verschwindens und der Unsicherheit, aber ebenso ein Ort der Erkenntnis. Nicht die nächtliche Szene stand im Mittelpunkt, sondern das Dunkel selbst – als Grenzbereich des Sichtbaren und als Herausforderung für Wahrnehmung und Darstellung.
Vor diesem Hintergrund richtete Gaßner den Blick auf die Arbeiten von Silke Silkeborg, deren Malerei sich bewusst von erzählerischen, romantischen oder dramatisierenden Nachtbildern löst. Thematisiert wurden ihre nächtlichen Stadträume, menschenleeren Landschaften und die Spiegelungen von Licht auf schwarzem Wasser. Ebenso ging es um künstliche Beleuchtung, Lichtsmog und das allmähliche Verschwinden der Nacht. In diesen Bildern, so Gaßner, überlagern sich Fragen von Fläche und Tiefe, von Schein und Sein, von Wahrnehmung und Imagination – und machen die Nacht zu einem Ort malerischer Selbstreflexion.
Im anschließenden Gespräch mit Silke Silkeborg verdichteten sich diese Überlegungen zu einer zentralen Frage: Was bedeutet es, die Nacht nicht als Szene oder Geschichte zu malen, sondern das Dunkel selbst in den Mittelpunkt der Arbeit zu stellen? Der offene Austausch führte mitten hinein in Silkeborgs künstlerische Praxis und eröffnete dem Publikum einen direkten Zugang zu einer Malerei, die sich bewusst im Grenzbereich des Sehens bewegt.
Hubertus Gaßner ist Kunsthistoriker, Autor und Kurator. Er war unter anderem am documenta archiv, am Haus der Kunst und am Museum Folkwang tätig und leitete von 2006 bis 2016 die Hamburger Kunsthalle. Bis heute verantwortet er zahlreiche wissenschaftliche Publikationen und ausstellungsbegleitende Kataloge zur Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts.