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Finsternis wirft keine Schatten

Vortrag zur Kunstgeschichte und Gegenwart

Am 6. Februar war die Kunsthistorikerin Ursula Panhans-Bühler in der PARABEL zu Gast. Ihr Vortrag „Finsternis wirft keine Schatten“ widmete sich einem ebenso alltäglichen wie rätselhaften Phänomen: dem Schatten – und der Frage, warum er in Kunst, Kunstkritik und Literatur der Gegenwart erneut an Bedeutung gewinnt.

Ausgehend von dieser Beobachtung spannte Panhans-Bühler einen Bogen von der Kunstgeschichte bis in die Gegenwart. Schatten erschienen dabei nicht als bloße Nebenprodukte des Lichts, sondern als eigenständige Bildfiguren zwischen Sichtbarkeit und Entzug, Körper und Projektion, Angst und Verführung. Im Zentrum stand die Überlegung, ob das erneute Interesse am Schatten mit aktuellen gesellschaftlichen Spannungen, psychischem Druck oder neuen Formen der Verführung und Selbstveräußerung zusammenhängt.

Anhand ausgewählter Beispiele zeigte die Referentin, wie Schatten als Ausdruck menschlicher Verkörperung wirken und als Spiegel innerer Zustände, als Zeichen von Bedrohung oder als Projektionsflächen von Begehren und Macht gelesen werden können. Der Vortrag verband theoretische Überlegungen mit anschaulichen Bildanalysen und eröffnete so einen differenzierten, gut zugänglichen Blick auf ein Phänomen, das uns im Alltag begleitet und zugleich verunsichert.

Der Abend knüpfte inhaltlich eng an die Ausstellung Luminary – Lichtung an und erweiterte deren Fragen nach Licht, Dunkelheit und Wahrnehmung um eine kunsthistorische und gegenwartsbezogene Perspektive.

Ursula Panhans-Bühler studierte Kunstgeschichte in Freiburg und Wien und lehrte an zahlreichen Hochschulen, darunter die Universitäten Hamburg, Kassel und Trier sowie die HdK Berlin. Von 1994 bis 2009 war sie Professorin für Kunstgeschichte an der Kunsthochschule Kassel. Seit vielen Jahren ist sie zudem in der Lehre an chinesischen Hochschulen tätig. Sie lebt und arbeitet als Kunstkritikerin und Autorin in Hamburg und China.

 

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